Die Genetik der Bengal


Zunächst einmal muss ich sagen, dass diese Auflistung keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit hat. Das wäre Stoff einer Dr.-Arbeit und würde diesen Rahmen sprengen, zumal laufend neue Erkenntnisse gewonnen werden. Ich würd mich also freuen, wenn Sie mir mitteilen, wenn sich etwas mittlerweile geändert hat oder Sie andere Erfahrungen gemacht haben oder einfach Denkanstöße!! Genetik lernen geht doch miteinander viel leichter und ich fände es wirklich großartig, wenn Sie Ihr Wissen mit mir teilen würden. Ansonsten möchte ich Sie bitten diesen Text und auch Teile davon nicht ungefragt weiterzuverwenden, sei es zu privaten oder kommerziellen Zwecken.

Die Grundzüge von Genetik können aber schnell gelernt und verstanden werden. Hier sollen vor allem Gene dargestellt werden, die Einfluss auf die Farbe, Zeichnung oder das Fell haben.

Vorweg zur erleichterten Steuerung eine kurze Inhaltsübersicht:

Grundzüge

Grundlegend für das Verständnis der Funktionsweise von Genen ist, dass sie immer in Paaren auftreten.

Bei der Befruchtung einer Eizelle verschmelzen die mütterlichen und väterlichen Gene miteinander.. In einer Eizelle liegt die genetische Information der Mutter also hälftig vor, in einem Spermium die des Vaters auch hälftig.
Es kann also gar nicht stimmen, dass der Vater seine Gene stärker weitergibt als die Mutter. Schließlich hat auch der Vater seine gesamte genetische Information je zur Hälfte von seiner Mutter und seinem Vater. Alles hängt also davon ab, wie die Gene sich bei der Trennung zur jeweils haploiden (einfach vorliegende genetische Information) Eizelle teilen und dann, wie sie bei der Verschmelzung mit den Genen des Partners zusammenwirken.
Kater und Katze tragen also gleichstark Verantwortung dafür, wie gut oder schlecht ein Kitten ist, wobei jedes einzelne Gen einen anderen "Job" hat, zB kann es die Farbe oder Struktur des Fells oder auch die Zeichnung bestimmen, aber es kann auch dafür verantwortlich sein, dass ein Kitten eine HCM trägt oder eine Gaumenspalte oder einen Knickschwanz bekommt. Im schlimmsten Fall wirkt ein sog. Lethalgen tödlich. Daher halte ich es für absolut unerlässlich seine Linien zu studieren, seine Tiere zu untersuchen und anhand von genetischer Kenntnis gerade Krankheiten, soweit es möglich ist, auszuschließen. Dafür sollte jeder seriöse Züchter im Gegensatz zu einem Vermehrer einstehen.

Top

Verhalten und Erscheinungsform von Genen

Gene können dominant und rezessiv sein. Daneben gibt es noch Gene, die erst zusammen mit anderen eine Ausprägung zeigen, sog. polygenetische Faktoren, aber ich werde mich auf rein dominant und rezessive Gene konzentrieren.

Da Gene immer nur paarweise auftreten, kann dieses Paar nun aus 2 dominanten, 2 rezessiven oder aus 1 dominanten und 1 rezessiven Gen bestehen. Trägt die Katze nun von jedem eines, wird sie das dominante Gen zeigen, das rezessive Gen wird unsichtbar bleiben. Man spricht dabei von einem Unterschied vom Phänotyp (tatsächliches Erscheinungsbild) zum Genotyp (das was die Katze genetisch ist). Dominante Gene werden mit Großbuchstaben gekennzeichnet, während rezessive durch Kleinbuchstaben kenntlich gemacht werden.
Natürlich gibt es auch von dieser Regel Ausnahmen, wenn Gene zB nicht komplett dominant sind oder mit anderen konkurrieren. Dies ist der sog. intermediäre Erbgang bei dem nicht ein Gen das andre überwiegt, sondern eine Mischform aus beiden ausgeprägt wird. Dieser ist bei der Bengal nur beim Snow-Gen interessant.

Liegt ein Genpaar des selben Typs vor, nennt man dieses Tier homozygot (reinerbig). Eine marbled Katze hat zB ein Genpaar des marbled-Gens und ist somit homozygot für marbled. Eine spotted Katze kann entweder ein Gepaar spotted tragen und dann auch homozygot sein - oder aber sie trägt ein spotted und 1 marbled. Beide liegen im gleichen Genpaar. Dann ist die Katze heterozygot (mischerbig), zeigt spotted (weil es dominant ist) und trägt aber auch marbled (weil es rezessiv gegenüber spotted ist).

Top

Mendelsche Gesetze - "Wie sich die Gene vererben"

  1. Die Nachkommen der ersten Generation (F1) homozygoter Elterntiere sind hinsichtlich des Phänotyps und des Genotyps gleich.
  2. Die Nachkommen (F2) eines gleichartig heterozygoten Elternpaars (F1) spalten sich bezüglich der Merkmalsausprägung auf.
  3. Die Vererbung unterschiedlicher Merkmale (zB Haarlänge und Haarfarbe) finder bei der Kreuzung reinerbiger Elternpaare und deren Nachkommen unabhängig voneinander statt.

Diese Grafik zeigt alle Regeln auf.

Die Katze ist homozygot für einen dominantvererbten kurzen Schwanz und rezessive vererbtes weiß ("b" weil "Nicht-braun"). Der Kater ist homozygot für rezessiv vererbten kurzen Schwanz und für dominantes Braun.

Die nachfolgende Generation (F1) als Mischung der Eltern ist komplett heterozygot bezüglich aller Merkmale und zeigt nur die dominanten Gene. Kennt man die Eltern nicht, weiß man nicht, was sie tragen.


In der F2 wird es etwas komplizierter. Die Eizelle trägt ja nun nur ein Gen, kein Genpaar, aber unterschiedliche Merkmale. Die Mischung von Schwanzlänge und Fellfarbe ist aber nun unabhängig voneinander. Oben und links sind nun die Möglichkeiten dargestellt, wie die einzelnen Gene gemischt werden können. Verpaart man diese nun untereinander kommen verschiedene Phänotypen und Genotypen dabei heraus. Weiß mit langem Schwanz, braun mit kurzem Schwanz, etc.
Dabei mischt sich 1 Genpaar (Schwanzlänge oder Fellfarbe) bei heterozygoter Verpaarung statistisch im folgenden Verhältnis:
1:2:1, wobei 1 Tiere homozygot das dominante Gen trägt, 1 Tier homozygot das rezesive Gen und 2 Tiere heterozygot dominantes und rezessives Gen.
Betrachtet man nun 2 Genpaare (Schwanzlänge und Fellfarbe) bei heterozygoter Verpaarung gibt es im Phänotyp statisch folgendes Verhältnis:
9:3:3:1, wobei 9 Tiere braun und kurzschwänzig sind (homo- und heterozygot), 3 TIere braun und langschwänzig (bzgl des Schwanzes homozygot), 3 Tiere kurzschwänzig und weiß (bzgl des weiß homozygot) und 1 weiß und langschwänzig (homozygot bzgl beidem).
Bei einem Katzenwurf wird es selten das perfekte Verhältnis sein. Einige Eier sterben ab, bevor sie befruchtet werden, andere werden gar nicht erst befruchtet etc. Erst nach einigen Würfen wird sich die statistische Zahl zeigen.

Top

Die einzelnen Gene


Dominant Rezessiv Erklärungen
A
Agouti
a
non-agouti
Agouti bewirkt, dass sich die Zeichnung einer Katze zeigt, man könnte es auch Tabby-Gen nennen. non-agouti macht eine Katze einfarbig, wobei man manchmal eine Geisterzeichnung sehen kann. In Kombination mit dem Silbergen I werden Katzen zu sog. smokes.
Hintergrund: Melanin ist das Pigment, das dem Katzenhaar seine Farbe gibt. Dabei gibt es das Eumelanin und das Phaeomelanin als verschiedene Ausprägungen des Melanins. Während das Eumelaninin Abwesenheit modifizierender Gene schwarz ist, ist das  Phaeomelanin ein rot. Die Melanin-produzierenden Melanozyten liegen unter anderem in den Haarfollikeln und und fügen dem Haar während des Wachstums Melanin in nicht konstanten Mengen hinzu. Gut zu beobachten, dass die Spitzen des Haare meist dunkler sind, was zurückzuführen ist auf eine starke Melaninproduktion. Bei einer non agouit Katze wird das Agouti protein in den Melanozyten nun ersetzt durch eine "falsche" From, die einen viel geringeren Unterdrückungseffekt auf das Eumelanin hat. Dementsprechend hat das gesamte Haar durchgehend Eumelanin, das Tier wird somit einfarbig.
Die Tabby-Zeichnung selbst wird von Genen bestimmt, die die Menge des Agouti-Proteins in bestimmten Bereichen des Fells reduzieren können. Dadurch kann es dazu kommen, dass Haare in den schwarzen Bereichen der Zeichnung durchgehend gefärbt sein können, während in andren Bereichen das typische Agouti-ticking (eine Bänderung des Haars erzeugt durch unterschiedliche Melaninausschüttung) zu sehen ist. Die Tabby-Zeichnung wird von Genen ausgelöst, die einen ähnlichen, aber nicht identischen Effekt auf das Haar haben, wie das non-agouti Gen.
B
schwarz
b
 chocolate
Genetisch ist heutzutage JEDE Bengalkatze schwarz. Grundsätzlich kann jede Katze genetisch nur schwarz oder rot sein, s.o.
Bei einer bb Katze wird das schwarz durch einen Schokoladen-Ton ersetzt. B ist dabei nicht komplett dominant gegenüber b, so dass Bb bei einer schwarzen Katze einen dunkelbrauen Schatten auslösen kann.
b1
cinnamon
b1b1 ersetzt das schwarz durch einen Zimt-Ton. Da b nicht komplett dominant gegenüber b1 ist, zeigt eine bb1 Katze meist einen blassen Schoko-Ton.
C
kein Colorpoint
c albino Nicht relevant für Bengalen, da beide Farbformen bisher nicht (bekannterweise) aufgetreten sind
ca blauäugig und weiß
cs Siam elfenbeinfarbener Hintergrund, Maskenzeichnung und blaue Augen. Eine Snow in seal lynx point.
cb Burma cappuchino-farbener Hintergrund mit dunklerer Maskenzeichnung und braunen, gelben oder grünen Augen. Eine Snow in seal sepia
cs und cb vererben sich zueinander intermediär, sie mischen sich also. Eine Snow, die cscb ist, ist eine seal mink - mit türkisen Augen.
D
Vollfarben
d
Verdünnung
Das Verdünnungs-Gen hat Auswirkungen auf die Farbe, die die Katze trägt. Eine schwarze Katze (BB) wird blue, eine chocolate Katze (bb) wird lilac, ein cinnamon wird fawn.
DM
veränderte Verdünnung
dm
normale Verdünnung
Das Dm-Gen zeigt sich nur bei einer Katze, die bereits dd trägt. Dann wird aus einem blue wird caramel, aus lilac taupe, aus fawn caramel-fawn.
I
Farbinhibitor
i
normale Farbe
Größtenteils wird das Inhibitor-Gen als komplett dominant beschrieben, welches jede Farbe unterdrückt und so zu silbernen Katzen führt. Dies stimmt auch insoweit, als dass Silber niemals unsichtbar getragen werden kann. Niemand kann ein Silberkitten züchten. indem er 2 brauen Tiere (ii) verpaart. Der Inhibitor unterdrückt die Zuführung des Melanin ins wachsende Haar.
Allerdings scheint der Inhibitor nicht komplett dominant gegenüber den Rufous-Genen zu sein. Diese erzeugen das unerwünschte Tarnish in Silberkatzen.
L
Kurzhaar
l
Langhaar
Die Kurzhaar-Variante ist die bekannte Form der Bengal. Allerdings arbeiten einige Züchter an der Pardino oder Cashmere als Langhaar-Variante.
Mc
senkrechter Flow
mc
kreisförmiger Flow
Mc bewirkt eine streifige Zeichnung, wie bei normalen "Tigerkatzen" das sog. mackerel, mc bewirkt führt dagegen zu einer kreisförmigen Anordnung wie beim bully eye der klassischen Tabby-Katzen. Beides ist in der Bengal unerwünscht.
mz
horizontaler Flow
Bisher wohl ein theoretisches Gen. Man vermutet, dass es den erwünschten horizontalen Flow der Bengalen hervorbringt und direkt über die ALC vererbt wird.
Mi
kein Glitter
mi
glitter
Ein weiteres theoretisches Gen, das in Verdacht steht den Glitter bei Bengalen auszulösen
Rf
normalfarben
rf
rufous
Noch ist man sich nicht einig, ob durch ein einzelnes Gen oder eine Reihe von Polygenen diese Anreicherugn von Phaeomelanin ausgelöst wird. Teils wird auf intesive Rottöne gezüchtet, teils ist es unerwünscht, wie zB in silbernen Bengalen. Bei braunen Bengalen aber hängt es ganz von der Vorliebe des einzelnen Züchters ab.
S
Scheckungsweiß
s
keine Scheckung
S vererbt sich intermediär, so dass eine Ss Katze weniger Scheckungsweiß hat. Dabei steht SS für eine Katze mit über 2/3 weiß und Ss für eine Katze mit wender als 2/3.
Unbekannt ist nach wie vor, was das Locket hervorruft. Während einige davon ausgehen, dass es von einem ganz anderen Gen ausgelöst wird, glaube andere, es läge an einer bisher unentdeckten Variation des S-Gens, wieder andere gehen von einer normalen Ss aus, die einfach wenig weiß an einer bevorzugten Stelle zeigt.
Sp
Spots/ unterbrochene Zeichnung
sp
tabby (classic oder mackerel)
Das Sp-Gen bricht die Tabby-Zeichnung in Spots auf, wobei meist die Linie der Tabby-Zeichnung durch die Anordnung der Spots zu erkennen ist.
Ob allerdings auch dieses Gen oder ein ganz anderes für den Unterschied von Spots und Rosetten und den ganzen Rosettenformen ist, ist bisher nicht bekannt. Andere vertreten die Meinung dieses Gen sei nicht für die Rosetten der Bengal zuständig, da zumindest die Rosettierung der Bengal bei keiner rein domestizierten Katzenrasse zu beobachten sei. Daraus ziehen sie die Folge, dass die Rosettierung der Bengal genauso wie der erwünscht horinzontale Flow direkt aus dem Wildblut der ALC herstamme.
T
Ticking
t
ungeticked
Grundsätzlich ist jede Agouti-Katze eine getickte Katze, da wie dargestellt, das Melanin ungleichmäßig abgegeben bzw. gehemmt wird. Dadurch kommt es zu Farbbänderung entlang des Haarschaftes, wobei die Anzahl und die Weite der Bänder von Rasse zu Rasse unterschiedlich bewertet wird. Von einigen Züchtern wird also die Frage aufgeworfen, ob es ein "Ticking-Gen" gibt, welches die Breite der farbenen Bänderung beeinflusst.
Ta
Ticked non tabby

Träger des Ta zeigen ein geticktes Fell ohne Tabby-Zeichnung, wie zB die Aby.
Wb
weite Bänderung
wb
normale Bänderung
Dieses Gene beeinflusst die Weite der Farbbänderung bei einem getickten Fell. Es wird vermutet, dass es das klare Fell der Bengalen mit starkem Kontrast auslöst, indem es die Agouti-Bänderung verbreitert.

Top

Silberformen


Silberne Katzen können immer nur in einem Wurf vorkommen bei dem ein Elternteil silbern ist. Teils werden braune Charcoals oder auch dunkle Snows versucht für Silberbengalen zu vekaufen. Dies ist genetisch nicht möglich, da das Silber dominant ist!! Zwar gibt es silberne Snows, diese zeigen allerdings im Gesicht und am Schwanz ein deutliches Schwarz bereits als Kitten!
Glamshine Easy Marmelad of RussicatsGlamshine Easy Marmelad of Russicats
Besondere Wechselwirkungen sind zwischen dem Rf -, I - und Wb - Gen bekannt. Dabei ist dies alles für die Bengal unerheblich. Bei der Silberbengal ist das Rufous wegen seiner negativen Auswirkung auf den Kontrast und den kühlen strahlenden Glanz des Silbers  grundsätzlich unerwünscht. In anderen Rassen jedoch wird versucht diesen Rostschimmer des Silberfells zu kontrollieren. Diese Farben heissen dann Silver Shaded (1/3 der Haarlänge an der Spitze ist schwarz, Wbwb), Chinchilla (1/8 der Haarlänge an der Spitze schwarz, WBWB) und Golden Smoke, Shade, Tabby oder Shell. Bei den letzten 4 Farbvarianten liegt vermutlich das rezessive Rufous-Gen einem goldenen Glanz zugrunde. Mehr zu den Golden-Variationen hier.

Top

Goldene Bengalen


Diese Silberformen sind trotz des Namens NICHT zu verwechseln mit goldenen Bengalen! Goldene Bengalen werden versucht durch die Verpaarung von silbernen mit braunen Bengalen zu erreichen, wobei goldene Bengalen nicht silbern, sondern von einem klaren braun sind. Längst nicht jedes braune Kitten aus einem silber x braun - Wurf ist golden!
Grund für die Verpaarung von braunen und silbernen Bengalen zur Erreichung einer goldenen ist die Lage des Silber- und des Weitband-Gens. Es wird vermutet, dass das Silber- und das Weitband-Gen sehr eng zusammen oder sogar auf dem gleichen Gen liegen. So wird versucht über die Verpaarung von silbernen und braunen Bengalen das Weitband-Gen auch in die Nachkommen zu bekommen und so zur Verbesserung der braunen Bengalen einzusetzen, indem man durch eine weite Bänderung das Ticking reduziert und so zu klaren goldenen Hintergrundfarben mit dunkler Zeichnung kommt.
Der wohl bekannteste goldene Bengale ist Calcatta Custom Made.

Calcatta Custom Made


Top


Quellen:
angelehnt an Carol Hebden; Feline Genetics; Gene Ducotes "Getting to know the Bengal Cat", Wikipedia und unzählige Quellen im deutsch- und englischsprachigen Internet